In diesem Artikel nennen wir Camping Aquarius, das Weingut Baron de l’Écluse sowie die Apps Park4Night, Komoot und Visorando. Bezahlt hat uns dafür niemand.
Colmar, ein Sonntag im Oktober. Wir laufen durch die Fachwerkgassen und an den Kanälen entlang, und irgendwann fängt es so heftig an zu regnen, dass wir in kürzester Zeit gut nass sind. Schön war es trotzdem. Kennst du das? Du hast eine Route im Kopf, und dann plant das Wetter einfach um. Genau so liefen unsere Wohnmobil-Herbstferien in Spanien und Frankreich: 16 Tage mit Gabi, Thore, Zina und Hugo, immer der Sonne hinterher. Geplant war das alles ganz anders, entspannter hätte es aber kaum werden können.
Aber erst einmal ganz von vorne.
Start in die Gegenrichtung: 100 Jahre Herbstwoche
Thores Wunsch: Autoscooter
Wer in den Süden will, fährt normalerweise nach Süden. Wir sind am Freitag, dem 16. Oktober, trotzdem in die Gegenrichtung gestartet, nach Lippstadt. Dort begann an diesem Tag die Herbstwoche, die Kirmes in der Innenstadt, und die feierte in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Thore wollte da unbedingt hin.
Abends sind wir mit der Familie über die Herbstwoche gebummelt, ein richtig guter Einstieg in die Ferien. Auch wenn das Wohnmobil an diesem Tag ein paar Kilometer in die falsche Richtung gesammelt hat.
Soufflenheim, das Töpferdorf: erster Versuch
Am nächsten Tag ging es dann wirklich los. Der Plan war, übers Elsass in den Süden zu fahren, denn Gabi wollte dort gern ein paar Dinge erledigen. Und Soufflenheim musste einfach sein. Das Dorf ist bekannt für seine Töpferware, und genau die wollten wir kaufen. Also sind wir abends durch den Ort gezogen, haben diverse Töpfereiläden abgeklappert und tatsächlich gut eingekauft.
Für Zina, unsere helle Schäferhund-Mix-Dame, und Hugo mit seinem langen rotbraunen Fell war allerdings etwas ganz anderes das Beste an diesem Tag. Der Stellplatz liegt direkt am Wald, und der beginnt quasi an der Wohnmobiltür. Gassi-Note: zwei Plus.
Vom Ort selbst waren wir ehrlicherweise weniger begeistert. Das Wetter war trüb, und Soufflenheim wirkte auf uns ziemlich „tot“. Merk dir dieses Bild, wir kommen später noch einmal darauf zurück.
Soufflenheim in Grau
Colmar im Regen
Von Soufflenheim nach Colmar sind es etwa eine bis anderthalb Stunden. Unser Stellplatz lag in Laufweite der Altstadt, wir waren zu Fuß also schnell mittendrin. Wie nass es dann wurde, weißt du ja schon.
Colmar, nass
Mittags sind wir in einem schönen kleinen Restaurant eingekehrt und haben richtig gut gegessen. Auch die Nacht auf dem Stellplatz war ruhig. Nur Zina und Hugo kamen in Colmar nicht auf ihre Kosten, denn rund um den Stellplatz kann man kaum Gassi gehen. Wenn du mit Hund unterwegs bist, lohnt sich vorher ein Blick darauf, wo die Abendrunde stattfinden soll.
Fachwerk am Kanal
Unser Fazit: Colmar ist eine wunderschöne Stadt, und da müssen wir unbedingt nochmal hin. Dann allerdings bei gutem Wetter.
Ab in den Süden, Halt bei Lyon
Am Montag regnete es immer noch, und so kam dann die erste Planänderung dieser Reise. Die Elsass-Tage haben wir kurzerhand auf den Rückweg verschoben und Kurs Süden genommen, auf der Suche nach der Sonne. Gefunden haben wir sie an diesem Tag allerdings nicht.
Gestoppt haben wir in Villefranche-sur-Saône nördlich von Lyon, auf einem schönen Stellplatz an einem Badesee an der Saône. Bei der Ankunft war es sogar trocken, und mit den Hunden gab es eine richtig schöne Runde. Gassi-Note: zwei Plus.
Badesee bei Lyon
Lange hielt das Glück aber nicht. Ab dem Abend hat es die ganze Nacht durchgeregnet, und am Morgen stand der Platz fast unter Wasser. So langsam hatten wir den Eindruck, dass Frankreich uns in diesem Herbst einfach nicht wollte.
Frankreich will uns nicht? Dann eben Spanien
Ausschlaggebend für die nächste Etappe waren dann die Temperaturen. Zuerst war die Ecke Tarragona im Gespräch, denn dort sah es deutlich besser aus. Die Fahrt am Dienstag wurde lang und nass, mal regnete es mehr, mal weniger, und das bis zur spanischen Grenze. Dort kamen dann tatsächlich die ersten Sonnenstrahlen durch.
Und mit ihnen kam die Idee, eine Nacht auf dem Camping Aquarius an der Costa Brava einzulegen, wo wir vor genau acht Jahren schon einmal waren. Eine Nacht, so der Plan. Na mal abwarten.
Wohnmobil-Herbstferien in Spanien: aus einer Nacht wurden sieben
Auf dem Aquarius gibt es eigene Bereiche für Hundebesitzer, und dort waren tatsächlich noch genau zwei Plätze frei. Einen davon haben wir genommen und sind am Abend gleich noch an den Strand, ins erste Abendlicht seit Tagen.
Angekommen
Am nächsten Tag haben wir dann um eine Nacht verlängert. Danach bis Sonntag, dann bis Montag und schließlich bis Dienstag. Am Ende kannten uns die Damen an der Rezeption beim Namen und wussten genau, auf welchem Platz wir stehen.
Für uns völlig untypisch: Normalerweise fahren wir viel herum, so lange an einem Ort waren wir noch nie. Aber genau das haben wir offenbar gebraucht.
Morgenrunde
Was den Platz für uns so perfekt gemacht hat? Die Sanitärgebäude waren super sauber, und der Strand liegt direkt vor dem Platz, sodass die Hunde dort richtig laufen konnten. Um uns herum standen lauter andere Hundebesitzer, die alle völlig entspannt waren, genau wie das Personal. Der Supermarkt auf dem Platz ist gut bestückt und nicht zu teuer. Vor allem aber haben wir viel nichts getan, und das war wichtig. Gassi-Note: zwei Plus.
Ganz ohne Bewegung ging es dann aber doch nicht. Zweimal haben wir uns aufs Fahrrad gesetzt, einmal für etwa 30 und einmal für etwa 40 Kilometer, durch Apfelplantagen und viel Natur und vorbei an der Kirche Santa Maria de l’Om. Total toll. Und das Nichtstun danach hatten wir uns dann ja auch redlich verdient.
Über den Fluss
Closing Party, zum zweiten Mal
Und dann war da noch Samstag, der 24. Oktober. An dem Tag feierte die Beachbar ihre Closing Party zum Saisonende, und wir waren wieder einmal durch Zufall dabei, genau wie vor acht Jahren. Damals gab es alle Getränke für einen Euro, das gibt es heute leider nicht mehr. Dafür spielten zwei DJs und zwei Livebands, gefeiert wurde von 13 bis 23 Uhr. Hat auch ohne Ein-Euro-Getränke so richtig Spaß gemacht.
Closing Party
Zwei Tage später gab es an der Windsurfschule des Platzes noch Acoustic-Musik, und über dem Meer ging der Vollmond auf. Spätestens da war klar, dass wir wieder einmal die richtige Wahl getroffen hatten.
Vollmond
Sieben Nächte an einem Ort sehen von oben übrigens so aus:
Sieben Nächte, ein Platz
Camargue: wieder Saintes-Maries-de-la-Mer
Irgendwann haben wir uns dann aber doch losgerissen. Zurück mussten wir ja eh, und wegen der Hunde fahren wir keine zu langen Etappen. Also ging es auf Thores Anraten in die Camargue, wo wir schon ein paar Mal waren, und zwar wieder auf denselben Stellplatz. Der ist zwar nur ein großer Parkplatz, liegt aber nah am Strand, und man steht dort wunderbar. Das Wetter blieb top, warm und sonnig. Gassi-Note: ein Plus.
Oktober in der Camargue
Die Camargue ist einfach wunderschön: überall Flamingos, dazu die Pferde und die Stiere. Fotos davon haben wir diesmal übrigens keine, das musst du uns also einfach glauben. Mit dem Fahrrad waren wir schnell in Saintes-Maries-de-la-Mer, der „Hauptstadt“ der Camargue. Ein schönes Städtchen, zugegeben sehr touristisch, mit vielen Restaurants.
Am 28. Oktober sind wir dort auf die Dachterrasse der Kirche Notre-Dame-de-la-Mer gestiegen. Die Wehrkirche sieht eher aus wie eine Burg, die Legende dahinter steht im Kasten weiter unten.
Oben auf der Wehrkirche
Von oben schaust du über die Dächer bis aufs Meer und hinein in die Camargue. Beim nächsten Mal gehen wir auf jeden Fall wieder hoch.
Dächer, dann Meer
Auf dem Rückweg zum Stellplatz haben wir dann übrigens noch eine Schlange gesehen. Auch nicht jeden Tag.
Übernachten beim Winzer im Beaujolais
Eine Sache wollten wir auf dieser Tour unbedingt noch machen, und zwar auf einem Weingut übernachten. In Park4Night hatten wir uns schon vorher ein paar Winzer rausgesucht, und entschieden haben wir uns dann für das Weingut Baron de l’Écluse der Familie Pegaz im Beaujolais. Daher kommt übrigens auch der Pegasus auf den Etiketten. Der Platz liegt traumhaft mitten in den Weinbergen, mit einem bombastischen Blick ins Tal.
Blick ins Tal
Ganz nach Plan lief es allerdings auch hier nicht. Einer von uns war krank, und so konnten wir an der Weinprobe nicht teilnehmen. Der extrem freundliche Besitzer hat sie uns dann quasi ans Wohnmobil geliefert: einen Rosé, zwei Weiße und vier Rote, dazu die Reihenfolge fürs Verkosten. Abends haben wir ganz entspannt im Wohnmobil probiert. Unsere Favoriten waren der Sauvignon Blanc, schlicht genial, und der Syrah, ein guter Roter. Mitgenommen haben wir am Ende sechs Flaschen Sauvignon Blanc und drei Syrah.
Am nächsten Morgen lag das Tal dann komplett im Nebel. Nicht schlimm. Mit den Hunden sind wir trotzdem hoch zur Kapelle Notre-Dame-aux-Raisins auf dem Mont Brouilly. Der Berg ist 484 Meter hoch, und die Kapelle wurde 1854 gebaut, um die Reben vor Unwetter und Krankheiten zu schützen. Das 360-Grad-Panorama da oben mussten wir uns allerdings dazudenken. Gassi-Note: ein Plus.
Nebel statt Aussicht
Unsere Haltung dazu ist ganz einfach: Wer umsonst auf so einem perfekten Platz stehen kann, mit Strom und Toilette, der kauft dort auch etwas ein. Die neun Flaschen im Wohnmobil sind also quasi Ehrensache. Mehr zum Übernachten beim Winzer zeigen wir dir in einem eigenen Beitrag auf Instagram.
Zweite Chance für Soufflenheim
Am Freitag, dem 30. Oktober, sind wir noch einmal hingefahren, weil wir in einer der Töpfereien noch etwas für Freunde kaufen wollten. Und diesmal war alles anders: blauer Himmel, ein ganz anderes Licht, und der Ort, der uns knapp zwei Wochen vorher so „tot“ vorkam, hatte plötzlich richtig Charme, mit seinen schönen kleinen Häusern. Ein bisschen geshoppt haben wir dann natürlich auch noch.
Am nächsten Morgen gab es noch eine schöne Runde mit den Hunden durch den Wald direkt am Platz. Zwei Plus, wie gehabt.
Morgenrunde, zweiter Versuch
Die verschobenen Elsass-Tage sind am Ende übrigens ganz ausgefallen, weil wir so lange auf dem Aquarius geblieben sind. Es sollte wohl so sein.
Was wir anders machen würden
Ehrlich gesagt: eigentlich nichts. Bis auf eine Sache, denn wir haben diesmal erstaunlich viele Dinge vergessen, die sonst ganz selbstverständlich mitfahren. Was genau, wissen wir inzwischen schon gar nicht mehr. Eins wissen wir aber noch: Das SUP ist daheim geblieben. Bei sieben Nächten direkt am Meer. Das machen wir nächstes Mal anders.
Fazit: die Reise der zweiten Chancen
Anders geplant, viel entspannter geworden, so lässt sich diese Reise wohl am besten zusammenfassen. Das Aquarius, die Camargue und Soufflenheim kannten wir schon, und alle drei haben wir diesmal viel schöner erlebt als beim ersten Mal. Dazu der Wetter-Bogen der ganzen Tour: In Frankreich Regen, ab der spanischen Grenze Sonne und am Ende Nebel im Weinberg. Auch schön.
Und dann waren da noch die vielen Orte unterwegs, bei denen wir dachten, dass wir sie uns eigentlich mal anschauen müssten. Wenn man mehr Zeit hätte … Aber dafür gibt es ja die nächste Tour.
Am 31. Oktober waren wir wieder zurück, und das Wohnmobil wartet jetzt auf eine Grundreinigung, die es wahrscheinlich ziemlich nötig hat. Der Urlaub selbst: einfach genial.
Die ganze Tour im Schnelldurchlauf gibt es als Reel auf Instagram – folg uns gern auf @lassfahren. Thore findest du dort unter @thokje2010.
Und du: Warst du schon mal sieben Nächte an einem Ort, obwohl eigentlich nur eine geplant war?
Und wie macht ihr das?
Erzähl uns davon – unter dem passenden Post auf Instagram.
